Gemeindeschänke Martinsrieth
Quelle: Marco Korpal
Wann die erste Dorfschänke in Martinsrieth entstand, ist bislang nicht eindeutig belegt. Sicher ist jedoch, dass bereits im 18. Jahrhundert eine Schenke bestand. Im Jahr 1772 brannten die Schenke und das Schafknechthaus ab. Bereits 1773 wurde daraufhin eine neue Schänke errichtet.
Dieses Gebäude war nach einigen Jahrzehnten bereits wieder baufällig und zu klein. Deshalb beschloss die Gemeinde 1840, ein neues Schänkhaus zu errichten.
Am 24. März 1840 begann der Abbruch der alten Schänke. Am 3. April 1840 wurde der Grundstein für das neue Gebäude gelegt. Während der Bauzeit wurde die Schankwirtschaft vorübergehend in die Schäferei verlegt.
Bereits am 9. November 1840, zum Kirchweihfest, konnte die neue Dorfschänke feierlich eingeweiht werden. Der Neubau kostete die Gemeinde fast 1.400 Taler.
Im Jahr 1890 wurde ein neuer Schenksaal errichtet. Damit erhielt die Gemeindeschänke den großen Saal, der später über viele Jahrzehnte eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben des Ortes spielte.
Die Gemeindeschänke bestand im Wesentlichen aus der Gaststube mit Küche, Wohnräumen für den jeweiligen Wirt sowie dem großen Gemeindesaal. Der Saal wurde für Kirmes, Fastnacht, Tanzveranstaltungen, Versammlungen, Vereinsfeiern und viele weitere Veranstaltungen genutzt.
Während des Neubaus der Schule im Jahr 1909 fand sogar der Schulunterricht vorübergehend im Schenksaal statt.
Über die Jahrzehnte wechselten die Wirte und Pächter mehrfach. Ebenso wurde das Gebäude immer wieder renoviert und umgebaut.
Aus den bisherigen Unterlagen und Überlieferungen sind unter anderem folgende Wirte und Pächter bekannt:
1607: Gasthalter Andreas Adam
Ob er bereits die spätere Gemeindeschänke betrieb, ist jedoch nicht sicher belegt.
1845: Andreas Moersch
1862: August Eichentopf
1874: Friedrich Bernhardt Bleße
1883/1886: Anton Wolff
später unbekannte Zeit: August Hoffmann
später unbekannte Zeit: F. Rabes
1930er Jahre: Richard Werner
1940er Jahre: Otto Zschauer
Nachkriegszeit bis Ende der 1960er Jahre: Geyer
1967–1974: Heinz Mielke
1974–1975: Erika Stimming
1975–1979: Familie Czok
1979: zeitweise kein Gastwirt; Ausschank durch Mitglieder des Jugendclubs (Bernd & Rita Gebauer, Andreas Grottke, Bernhard Enke,....)
1980–1981: Werner und Karin Gothe
ca. 1982–1986: Meister
1986: wegen Wirtewechsels und notwendiger Renovierungsarbeiten geschlossen
1. Juli 1987–1. Januar 1993: Erich Rödiger
9. März 1993–8. November 1994: Andrea Wirt
3. Februar 1995–31. März 1996: Thomas und Susanne Wenzel
1. April 1996–6. Oktober 1998: Rosemarie Wagenhaus und Dieter Schulz
anschließend geschlossen
1. August 1999–2002: Peter Witzenhausen
anschließend geschlossen
2004–2006: Steffen Boogk
anschließend wieder geschlossen
2009–2014: Arne
seit 2014: geschlossen
In den späten 1970er Jahren fanden im Saal der Gemeindeschänke zahlreiche Discoveranstaltungen statt. Besonders erinnert wird die „Mammut Disco“ mit Dieter und Holger Lindau. Wegen Beschwerden und verschiedener Vorkommnisse wurde 1978 beschlossen, nur noch eine Discoveranstaltung pro Monat zuzulassen.
Unter Gastwirt Erich Rödiger wurde Ende der 1980er Jahre der sogenannte „Haksch“, das frühere Jugendzimmer, zum Thekenraum umgebaut. Der bisherige Thekenraum wurde zu Toilettenräumen umgestaltet.
Unter Andrea Wirt erfolgten weitere Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten an Küche, Gastraum und Wohnräumen.
Im Jahr 2009 wurden der Saal und die Toiletten erneut saniert.
Trotz der langen Zeiträume, in denen kein regulärer Gaststättenbetrieb mehr stattfand, blieb der Saal als Veranstaltungsort für das Dorf von Bedeutung.
Neben der Gemeindeschänke gab es in Martinsrieth mindestens zwei weitere Gasthäuser.
Der „Braune Hirsch“ war ein älteres Gasthaus an der Heerstraße. In alten Unterlagen wird erwähnt, dass der Gasthof bereits aus dem 16. Jahrhundert stammte. Im Jahr 1833 wurde es verkauft und anschließend nicht mehr als Gasthaus genutzt.
Später wurde das Gebäude zeitweise erneut anders genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollen dort wegen des erhöhten Raumbedarfs zeitweise Unterrichtsräume eingerichtet worden sein.
An der alten Heerstraße bestand außerdem der Gasthof „Weißes Roß“.
Nach der Zeittafel stand dieses Gasthaus dort bis 1839. Im Jahr 1856 wurde auf diesem Hof die neue Pfarre errichtet.
Damit haben wir für Martinsrieth also mindestens drei unterschiedliche Gaststättenstandorte beziehungsweise Gaststätten:
die Gemeindeschänke, den „Braunen Hirsch“ und das „Weiße Roß“.
Quelle: Marco Korpal
Quelle: Marco Korpal
Quelle: Marco Korpal
Quelle: Marco Korpal