Quelle: Marco Korpal
Bauwerke in Martinsrieth
Martinsrieth ist zwar ein kleines Dorf ohne große Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinn, doch einige Bauwerke prägen das Ortsbild seit vielen Generationen und erzählen ein Stück unserer Geschichte.
Dazu gehören die Kirche, die Gemeindeschänke, die Wassermühle, Brücken und weitere markante Gebäude. Jedes von ihnen hat seine eigene Bedeutung für das Leben im Dorf und spiegelt die Entwicklung von Martinsrieth über die Jahrhunderte wider.
Die Kirche St. Martin ist das älteste Gebäude von Martinsrieth. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut und prägt mit ihrem markanten Turm bis heute das Ortsbild. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie mehrfach erweitert und erneuert: In der Spätgotik kam ein Altarraum hinzu, im 18. Jahrhundert wurde das Kirchenschiff fast vollständig neu gebaut.
Im Inneren sind bei Restaurierungen wertvolle barocke Malereien aus der Zeit um 1750 entdeckt worden. Besonders bedeutend sind außerdem der alte romanische Taufstein, eine spätgotische Sakramentsnische, eine Statue des Kirchenpatrons St. Martin sowie eine Glocke aus der Zeit um 1300.
Heute finden in der kleinen, aber sehr schönen Kirche nicht nur Gottesdienste, sondern auch Konzerte und kulturelle Veranstaltungen statt.
(Dorfstraße 27, Baudenkmal 09484353)
Der ehemalige Pfarrhof prägt als zweigeschossiges Wohnhaus mit angrenzendem eingeschossigen Anbau das Ortsbild von Martinsrieth maßgeblich.
Nach Angaben aus der Zeittafel in Martinsrieth stand an der Stelle die alte Schäferei.
Als im Jahre 1840 die Gemeindeschänke neu gebaut wurde, wurde die Schankwirtschaft vorrübergehend in die Schäferei verlegt. 1856 erbaure man auf diesem Hof die Pfarre für 2426 Taler.
Das Wohnhaus ist aus schlichtem zweihäuptigem Natursteinmauerwerk errichtet, die Fenster- und Türofinierungen bestehen aus unprofilierten roten Sandstein-Stichbogengewänden, lediglich die Sohlbänke sind leicht profiliert. Die beiden über die Dachhaut geführten Giebel werden durch auskragende Giebelschultern und wandbündig verlegte Sandsteinplatten mit Firstkopf betont.
An der südlichen Grundstücksgrenze befand sich ein langgestrecktes Wirtschaftsgebäude in Fachwerkbauweise mit Ziegelausfachungen.
Die Gebäudegruppe aus der Zeit um 1858–1870 schließt die südliche Bebauung von Martinsrieth ab und gilt neben der Kirche als zweitwichtigstes historisches Bauwerk des Ortes.
(Dorfstraße 38 A, Baudenkmal 09484354)
Das Mühlengehöft am nördlichen Ortsrand von Martinsrieth gehört zu den markanten historischen Gebäuden des Ortes. Zusammen mit dem Mühlgraben erinnert es an die jahrhundertelange Nutzung der Wasserkraft in der Helmeniederung.
Die Anfänge der Martinsriether Wassermühle reichen bis in das frühe 18. Jahrhundert zurück. Nach den bisher ausgewerteten Unterlagen stellte Christian Rolle aus Lodersleben im Jahr 1708 ein Gesuch um die landesherrliche Genehmigung zur Errichtung einer Wassermühle bei Martinsrieth. Nach Abschluss eines Vertrages mit dem Mühlenbauer Heinrich Hofmann wurde das Vorhaben in den folgenden Jahren verwirklicht.
Eine weitere Quelle, die Zeittafel des Helme-Kuriers, nennt für das Jahr 1712 ausdrücklich den Bau einer Mühle am vorderen Gemeinde-Rietgraben, dem heutigen Mühlgraben.
Damit lässt sich die Entstehung der Martinsriether Wassermühle in die Zeit zwischen 1708 und den frühen 1710er Jahren einordnen. Die unterschiedlichen Jahresangaben dürften verschiedene Phasen von Genehmigung, Bau und Fertigstellung widerspiegeln.
In den Jahren 1727/1728 beantragte der nachfolgende Müller Valentin Salomon Michaelis den Bau eines Wehres. Damit sollte die Wasserzufuhr für den Betrieb der Mühle dauerhaft geregelt werden.
Ein bedeutender baulicher Schritt erfolgte 1772: In diesem Jahr wurde das bis heute erhaltene spätbarocke Wohnhaus der Mühle mit seinem charakteristischen Mansarddach errichtet. Das Gebäude prägt noch heute diesen Teil der Dorfstraße.
Im 19. Jahrhundert sind mehrere Müller und Besitzer namentlich überliefert. Für 1845 wird Wilhelm Probst als Müller genannt. 1852 erscheint Gottfried Hoffmann als Mühlenbesitzer.
Besonders aufschlussreich ist eine Beschreibung aus dem Jahr 1865. Damals wird Karl Aderhold als Müller genannt. Die Mühle verfügte zu dieser Zeit über drei Mahlgänge, einen Siebgang und drei Wasserräder.
Die Wasserkraft machte den Betrieb jedoch zugleich abhängig von den Verhältnissen an Helme und Mühlgraben. Im Jahr 1871 wurden bei der Wassermühle ein Wasserrad und der dritte Mahlgang weggerissen. Nach der damaligen Überlieferung sollten beide zunächst nicht wiederhergestellt werden.
Auch 1886 wird Karl Aderhold als Wassermüller genannt.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Mühlenanwesen weiter ausgebaut. Mehrere Wirtschaftsgebäude mit Pult- und Satteldächern ergänzten die bestehende Bebauung.
Im 20. Jahrhundert blieb die Mühle weiterhin in Betrieb. 1939 wird Richard Koch als Besitzer genannt, bevor die Mühle später in den Besitz von Werner Büttner überging. Nach den bisherigen Angaben erfolgte dies um 1950.
Bis heute ist ein großer Teil der historischen mühlentechnischen Ausstattung erhalten. Besonders hervorzuheben ist das große unterschlächtige Wasserrad mit gusseisernem Wellenreifen und einem Durchmesser von etwa fünf Metern.
Wohnhaus, Wirtschaftsgebäude, Mühlgraben und technische Ausstattung bilden gemeinsam ein ungewöhnlich geschlossenes Zeugnis der örtlichen Mühlengeschichte. Gerade die Verbindung von Gebäude, Wasserführung und erhaltener Technik macht die Martinsriether Wassermühle zu einem bedeutenden historischen Ensemble.
Die Wassermühle ist bis heute vollständig funktionstüchtig erhalten und wurde noch bis 2025 betrieben. Die historische Technik kann weiterhin in Gang gesetzt werden. Dadurch ist die Mühle nicht nur ein Baudenkmal, sondern ein noch erlebbares Zeugnis traditioneller Mühlentechnik in der Helmeniederung.
Überlieferte Müller und Besitzer
1708: Christian Rolle aus Lodersleben – Antrag auf Genehmigung einer Wassermühle
1727/1728: Valentin Salomon Michaelis – Müller; Antrag zum Bau eines Wehres
1845: Wilhelm Probst
1852: Gottfried Hoffmann – Mühlenbesitzer
1865: Karl Aderhold – drei Mahlgänge, ein Siebgang und drei Wasserräder
1886: Karl Aderhold – Wassermüller
1939: Richard Koch – Besitzer
ab etwa 1950: Werner Büttner
Die Gemeindeschänke in Martinsrieth ist ein traditionsreiches Gasthaus und ein zentraler Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft. Hier finden regelmäßig Veranstaltungen wie die Fastnachtsveranstaltungen, der Kirmestanz, usw. statt.
Quelle: Marco Korpal
Quelle: Marco Korpal
Die Helmebrücke am Ortseingang von Martinsrieth gehört zu den geschichtlich bedeutendsten Bauwerken des Dorfes. Bereits für das Jahr 1270 wird überliefert, dass an dieser Stelle eine steinerne Brücke über die Helme errichtet worden sein soll. Zuvor dürfte die Helme hier über eine Furt überquert worden sein.
Über Jahrhunderte war die Brücke für die Verbindung zwischen Martinsrieth und Sangerhausen von großer Bedeutung. Die Stadt Sangerhausen war lange Zeit verpflichtet, die Brücke zu unterhalten. Aus den historischen Aufzeichnungen geht hervor, dass der Rat der Stadt die Brücke auch erneuern ließ. Später kam es jedoch zu Streitigkeiten darüber, wer für Neubau und Unterhaltung aufkommen musste.
Die Brücke im Bauernkrieg um 1525
Während des Bauernkrieges von 1525 spielte die Brücke bei Martinsrieth eine besondere Rolle. Für den 12. Mai 1525 war an der Brücke ein Treffen zwischen Graf Albrecht von Mansfeld und Vertretern des Frankenhäuser Bauernhaufens vorgesehen. Das Treffen kam jedoch nicht zustande, weil Albrecht von Mansfeld nicht erschien. Auch Martinsriether Einwohner waren am Bauernkrieg beteiligt; für Martinsrieth werden 26 besessene Männer genannt, und der Ort wurde später mit einer Geldstrafe belegt.
Damit war die Brücke schon im frühen 16. Jahrhundert nicht nur ein Verkehrsweg, sondern auch ein wichtiger Treff- und Übergangspunkt in der Region.
1806 – Rückzug der preußischen und sächsischen Truppen
Eine besonders anschauliche Schilderung stammt aus der Kirchturmknopfnachricht von 1827.
Nach der Niederlage der preußisch-sächsischen Truppen in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 zogen die geschlagenen Soldaten in großer Unordnung über die Martinsriether Helmebrücke.
Auch die preußische Königin Luise, begleitet von wenigen Dragonern, nahm auf ihrer Flucht diesen Weg. Die Aufzeichnung berichtet zugleich von den erheblichen Belastungen, die der Truppendurchzug für Martinsrieth mit sich brachte.
Streit mit Sangerhausen und Neubau 1845/1846
Im 19. Jahrhundert wurde die Frage der Unterhaltung der Brücke zu einem langwierigen Streitfall.
Von 1827 bis 1845 führte die Gemeinde Martinsrieth einen Prozess gegen die Stadt Sangerhausen. Martinsrieth vertrat die Auffassung, dass Sangerhausen für einen notwendigen Neubau verantwortlich sei, da die Stadt zuvor auch die Reparaturen an der Brücke übernommen hatte. Martinsrieth verlor den Prozess jedoch und musste den Neubau selbst finanzieren.
Am 16. Juni 1845 begann der Abbruch der alten Brücke. Pfarrer Rothe berichtet ausdrücklich, dass die alte Brücke die Jahreszahl 1270 trug und aus acht Jochen bestand. Damit hätte sie fast 600 Jahre bestanden.
Am 5. Juli 1845, gegen 18 Uhr, wurde der Grundstein für die neue Brücke gelegt. An der Zeremonie nahmen unter anderem der Wegebaumeister Voigtei aus Sangerhausen, Pfarrer Rothe, Kantor Fischer, Schulze Gebhardt, Kreissekretär Grohmann und Werkmeister Christian August Krieger teil.
Im Jahr 1845 wurden zunächst die Pfeiler gegründet. Die Bögen, Brüstungen und Dämme wurden erst im Herbst 1846 fertiggestellt.
Die neue Brücke bestand aus Natursteinmauerwerk mit vier Segmentbögen und drei Pfeilern. Die Baukosten beliefen sich auf 2.880 Taler, 14 Silbergroschen und 2 Pfennige.
Feierliche Einweihung am 31. Oktober 1846
Am 31. Oktober 1846 um 14 Uhr wurde die neue Helmebrücke feierlich eingeweiht.
Unter Glockengeläut und Musik hielt Pfarrer Rothe von einer mit grünen Zweigen geschmückten Tribüne eine Weiherede. Zuerst fuhren Landrat Freiherr von Werthern und Pfarrer Rothe über die neue Brücke; anschließend folgte eine große Zahl von Wagen mit Einwohnern und auswärtigen Gästen.
Nach der Feier wurde gemeinsam gespeist und getanzt. Am folgenden Tag, dem 1. November 1846, erhielten auch die Schulkinder eine Tanzbelustigung.
Von der Brückenweihe ist sogar die ausführliche Weiherede Pfarrer Rothes erhalten. Darin bezeichnete er die neue Brücke als ein Bauwerk, das tief in das bürgerliche Leben der Gemeinde eingreife.
Verbreiterung 1946
Genau einhundert Jahre nach der Einweihung wurde die Brücke 1946 erneuert und verbreitert.
Wegen des zunehmenden Verkehrs erhielt die historische Natursteinbrücke einen Betonüberbau. Dieser ruhte auf massiven, auskragenden Betonkonsolen. Dadurch konnte die Fahrbahn verbreitert werden, während Teile der älteren Brückenkonstruktion erhalten blieben.
Neubau 2004/2005
Nach mehr als 150 Jahren Nutzung wurde die im Kern aus den Jahren 1845/46 stammende Brücke schließlich durch einen vollständigen Neubau ersetzt.
In den Jahren 2004/2005 entstand die heutige Helmebrücke. Sie wurde am 1. September 2005 offiziell für den Verkehr freigegeben.
Damit endete die Geschichte der alten Natursteinbrücke, deren Vorgänger an dieser Stelle nach der Überlieferung bis in das 13. Jahrhundert zurückreichte.
Bedeutung der Helmebrücke
Über viele Jahrhunderte war die Martinsriether Helmebrücke weit mehr als nur eine Möglichkeit, den Fluss zu überqueren. Sie verband den Ort mit Sangerhausen und den umliegenden Dörfern, spielte im Bauernkrieg eine Rolle, wurde von durchziehenden Heeren und selbst von Königin Luise passiert und war Gegenstand langjähriger Auseinandersetzungen um Bau- und Unterhaltungskosten.
Die historischen Fotografien und Ansichtskarten mit den charakteristischen Bögen der alten Brücke gehören deshalb zu den prägnantesten Bildern des früheren Martinsrieth.
Zeittafel der Helmebrücke
um 1270 – nach der Überlieferung Bau einer steinernen Brücke über die Helme
12. Mai 1525 – geplantes Treffen zwischen Graf Albrecht von Mansfeld und dem Frankenhäuser Bauernhaufen an der Brücke
1806 – Rückzug preußischer und sächsischer Truppen über die Brücke; auch Königin Luise passiert Martinsrieth
1827–1845 – Rechtsstreit zwischen Martinsrieth und Sangerhausen über die Zuständigkeit für den Neubau
16. Juni 1845 – Beginn des Abbruchs der alten, mit „1270“ bezeichneten achtjochigen Brücke
5. Juli 1845 – Grundsteinlegung der neuen Brücke
1845/1846 – Neubau unter Leitung bzw. Ausführung von Christian August Krieger
31. Oktober 1846 – feierliche Einweihung
1946 – Erneuerung und Verbreiterung durch Betonüberbau
2004/2005 – vollständiger Neubau
1. September 2005 – offizielle Eröffnung der heutigen Helmebrücke
Quelle: Marco Korpal
Quelle: Marco Korpal
Quelle: Marco Korpal
Die Geschichte der Martinsriether Schule lässt sich über fast zwei Jahrhunderte zurückverfolgen.
Bereits 1820 wurde in Martinsrieth eine neue Schulwohnung errichtet. Den Bau führten der Martinsriether Maurermeister Andreas Krieger und der Zimmermeister Nitzschke aus Edersleben aus. Die Kosten betrugen 700 Taler.
Schon wenige Jahrzehnte später reichte der vorhandene Platz nicht mehr aus. Bemerkenswert ist, dass in Martinsrieth bereits 1844 Turnunterricht erteilt wurde.
Im Jahr 1846 besuchten 66 schulpflichtige Kinder die Schule. Da sowohl der Klassenraum als auch die Wohnräume des Lehrers zu klein geworden waren, beschloss die Gemeinde eine Erweiterung. Die nicht mehr benötigte Schulscheune wurde im Frühjahr verkauft und abgerissen. An ihrer Stelle entstand ein neuer, geräumiger Klassenraum mit vier großen Fenstern.
Am 11. Oktober 1846 wurde der neue Klassenraum durch Pfarrer Rothe unter Beteiligung der Gemeinde, der Schulkinder und des von Kantor Fischer gegründeten Sängervereins feierlich eingeweiht. Die bisherige Schulklasse wurde teilweise in die Lehrerwohnung einbezogen. Die Umbauarbeiten einschließlich neuer Schulutensilien kosteten die Gemeinde 300 Taler.
Aus dem 19. Jahrhundert sind mehrere Lehrer und Kantoren namentlich überliefert. Christoph Heinrich Schröter wird 1827 als Schullehrer genannt. In den 1840er Jahren wirkte Kantor Fischer, der zugleich einen Sängerverein gegründet hatte. Später folgten August Hornig bis 1876, Pabst von 1877 bis 1879, Schmidt von 1883 bis 1889, Fröschke von 1889 bis 1893 und Rödel von 1894 bis 1907. Ab Ostern 1907 war Lehrer Albrecht in Martinsrieth tätig.
Im Jahr 1909 wurde die alte Schule durch einen Neubau an derselben Stelle, der heutigen Dorfstraße 41, ersetzt. Während der Bauarbeiten fand der Unterricht im Saal der Gemeindeschenke statt.
Am 9. November 1909, dem dritten Kirmestag, wurde die neue Dorfschule feierlich eingeweiht. Die Gemeinde versammelte sich zunächst im Schenksaal. Anschließend zog man unter Musikbegleitung zur neuen Schule. Dort fand eine Feier mit einer Ansprache des Lehrers, Gesängen und Deklamationen der Schüler statt. Danach wurde im Schenksaal ein Kinderfest gefeiert, bei dem die Kinder unter anderem Brezeln und Kaffee erhielten.
Der Schulneubau kostete insgesamt 18.739,22 Mark.
Nach einer Aufzeichnung aus dem Jahr 1912 besuchten damals 58 Kinder die Schule; zeitweise waren es sogar schon 70 Schüler gewesen.
Die Schule stand auch in enger Verbindung zur benachbarten Kirche St. Martin. Im Kirchturm hingen drei Glocken. Eine davon diente nach der Überlieferung als Schulglocke und rief die Kinder zum Unterricht.
In den 1930er Jahren wirkte Lehrer Köppel in Martinsrieth. Von ihm stammen unter anderem die Texte „Mein Martinsrieth“ aus dem Jahr 1932 und „Ja, in Martinsrieth ist’s lustig“ aus dem Jahr 1935.
Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich der Schulbetrieb deutlich. Im Jahr 1945 wird zunächst Lehrer Höhne genannt. Ab dem 1. Februar 1946 verwaltete der Neulehrer Willi Engberding die Schule vertretungsweise.
Am 2. September 1946 kam Herr Thale als zweiter Lehrer hinzu. Er unterrichtete die Klassen 1 bis 4, während Engberding für die Klassen 5 bis 8 zuständig war. 1
Am 15. Oktober 1946 erhielt die Schule ein zweites Klassenzimmer im Haus des Landwirts Otto Hilpert.
Ab Ende der 1940er Jahre wurden immer mehr Klassen nach Riethnordhausen verlegt. Seit dem 27. August 1949 war Herr Thale Schulleiter. Im Oktober 1949 wurden zunächst die Klassen 7 und 8 nach Riethnordhausen umgeschult, im Dezember folgten auch die Klassen 5 und 6.
Am 4. Februar 1951 begann in Martinsrieth die Schulspeisung. Zunächst wurden kalte Portionen ausgegeben. Eine Portion bestand aus zwei Brötchen, 10 Gramm Butter, 10 Gramm Wurst und 20 Gramm Marmelade und kostete 15 Pfennig.
Während einer großen Kältewelle im Januar 1954 konnte der Unterricht zeitweise nicht im Schulgebäude stattfinden und wurde deshalb in den Kindergarten verlegt.
Zum „Tag des Lehrers“ am 12. Juli 1957 erhielt A. Thale die Pestalozzi-Medaille in Bronze. Seit dem 12. November 1957 besaß Lehrer Thale außerdem das erste Fernsehgerät in Martinsrieth.
Ab dem 2. Januar 1958 fuhren die Schüler der Mittelstufe mit dem Bus nach Riethnordhausen.
Im Schuljahr 1958/1959 wurden noch 22 Schüler der 1. bis 3. Klasse in Martinsrieth unterrichtet. Vier Schüler der 4. Klasse sowie die Schüler der Klassen 5 bis 8 besuchten bereits die Zentralschule in Riethnordhausen.
Seit dem 7. September 1962 bestand für die Klassen 1 bis 4 ein Schulhort. Leiterin war Frau Thale.
Ab dem 1. September 1966 kamen die Kinder der 1. Klasse aus Riethnordhausen zum Unterricht nach Martinsrieth. Gleichzeitig besuchten die Martinsriether Kinder der 4. Klasse die Schule in Riethnordhausen.
Am 1. September 1970 endete schließlich der reguläre Schulbetrieb in Martinsrieth. Die Schule wurde aufgelöst. Die Kinder der Klassen 4 bis 10 fuhren fortan mit dem Bus nach Tilleda. Das ehemalige Schulgebäude wurde anschließend zu einer Konsumverkaufsstelle umgebaut.
Im April 1971 war der Umbau zur SB-Verkaufsstelle abgeschlossen. Am 3. Mai 1971 wurde die Verkaufsstelle eröffnet.
Ab September 1987 besuchten die Martinsriether Schulkinder nicht mehr die Schule in Tilleda, sondern fuhren nach Sangerhausen in die Goethe-Oberschule.
Das ehemalige Schulgebäude in der Dorfstraße 41 steht bis heute und befindet sich inzwischen in Privatbesitz.
Quelle: Gerald Rüdiger
Am nördlichen Ortseingang von Martinsrieth, zwischen der Helme und dem kleinen Pappelwäldchen, befindet sich heute der Festplatz des Dorfes.
Bevor das Gelände zu einem Festplatz ausgebaut wurde, befand sich dort ein Rosengarten. .
Die weitere Gestaltung begann Anfang der 1990er Jahre. 1992 wurde dort die erste Sitzgelegenheit geschaffen. Zwei Jahre später, 1994, wurde die erste Tanzfläche eingeweiht. Damit entwickelte sich das Gelände zunehmend zu einem Treffpunkt für Veranstaltungen und gesellige Zusammenkünfte.
Im Jahr 1995 wurde die Hecke gepflanzt, die den Platz bis heute mitprägt.
1996 wurde unmittelbar daneben ein Sportplatz mit Volleyballfeld eingeweiht. Damit war der gesamte Komplex aus Sportplatz und Festplatz fertiggestellt. Seitdem dient das Gelände sowohl sportlichen Aktivitäten als auch Dorffesten, Sommerfesten, Konzerten und anderen Veranstaltungen im Freien.
Eine weitere größere Veränderung erfolgte 2010. Die alte Tanzfläche wurde durch den Bau einer überdachten Veranstaltungsfläche ersetzt, die im Ort als „Klangmuschel“ beziehungsweise „Tonhalle“ bezeichnet wird.
Heute bildet der Sport- und Festplatz einen wichtigen Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Martinsrieth. Durch die Verbindung von Grünfläche, Sportmöglichkeiten, Sitzgelegenheiten und überdachtem Veranstaltungsbereich kann das Gelände für ganz unterschiedliche Feste und Veranstaltungen genutzt werden.
Entwicklung des Sport- und Festplatzes
vor 1992 – Rosengarten auf dem späteren Festplatzgelände
1992 – erste Sitzgelegenheit
1994 – Einweihung der ersten Tanzfläche
1995 – Pflanzung der Hecke
1996 – Einweihung des Sportplatzes mit Volleyballfeld; Fertigstellung des gesamten Sport- und Festplatzkomplexes
2010 – Ersatz der alten Tanzfläche durch die „Klangmuschel“ bzw. „Tonhalle“
Im Jahr 1997 errichtete die Gemeinde am Rand von Fest- und Sportplatz ein neues Feuerwehrgerätehaus. Es verfügt über zeitgemäße technische Einrichtungen, separate Sanitärbereiche, Duschen und einen großzügigen Gemeinschaftsraum mit Küche. Gemeinsam mit den angrenzenden Anlagen bildet das Gebäude heute ein lebendiges Zentrum des dörflichen und kulturellen Lebens, in dem über das Jahr hinweg zahlreiche Veranstaltungen, Feste und sportliche Ereignisse stattfinden.
Das alte Feuerwehr "Spritzenhaus" befand sich früher im Ortskern, angrenzend an den Schenkplatz.
In den Jahren 1858 - 1859 wurde vom Schulzen Gebhard in Martinsrieth die Erlaubnis zur Erbauung Zichoriendarre nachgesucht. Wo diese Zichoriendarre stand, ist nicht bekannt.
Im Jahr 1865 wurde Karl Gebhardt mit der Zichoriendarre aufgeführt.
Eine Zichoriendarre (auch Zichoriendörre) war eine Anlage, in der die Wurzeln der Zichorie/Wegwarte getrocknet wurden. Die getrockneten Wurzeln wurden anschließend geröstet und gemahlen und vor allem als Kaffeeersatz bzw. Kaffeezusatz verwendet – bekannt als Zichorienkaffee oder „Muckefuck“.
Die zusammengewachsenen Pappeln in Martinsrieth sind ein markantes Naturmerkmal. Sie prägen das Landschaftsbild und sind ein beliebtes Fotomotiv.
In Martinsrieth haben sich im Jahr 2014 nach über 50 Jahren wieder Störche angesiedelt. Sie brüten auf einem Gittermast und sind ein Zeichen für die gute ökologische Lage des Ortes.
Der Kirchplatz in Martinsrieth ist ein zentraler Ort im Dorf. Er befindet sich in der Nähe der Dorfkirche und dient als Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft.
Der im September 1994 engeweihte Spielplatz bietet Kindern einen Raum zum Spielen.
Das Helmeufer ist ein idyllischer Ort, der sowohl für Mensch als auch Tier Bedeutung hat. Besonders charakteristisch sind die Martinsriether Gänse, die hier alljährlich von März bis in den späten Herbst aufwachsen, bevor sie traditionell zu Weihnachten als Festtagsbraten auf den Tisch kommen.
Neben seiner kulturellen Bedeutung bietet das Helmeufer auch Raum zur Erholung – an warmen Sommertagen lädt es zum Verweilen und Baden ein und ist damit ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Besucher gleichermaßen.
Der Flusslauf der Helme im Bereich der Gemarkung Martinsrieth steht heute unter Naturschutz. Dadurch werden die früher regelmäßig durchgeführten Aushebungen der Kiesablagerungen im Flussbett nicht mehr vorgenommen, was zur natürlichen Entwicklung der Uferlandschaft beiträgt.
Der Mühlgraben zweigt einige Kilometer westlich von Martinsrieth von der Helme ab und mündet rund einen Kilometer östlich des Ortes wieder in den Fluss. Er prägte entscheidend die Entwicklung und Siedlungsstruktur des Dorfes. Als Wasserlauf, war er über Jahrhunderte hinweg eine wichtige Lebensgrundlage für die örtliche Landwirtschaft und das Handwerk.
Der Pfingstfleck in Martinsrieth ist ein Ort, der in alten Sagen eine Rolle spielt. Eine Geschichte berichtet, dass Oberröblinger im 17. Jahrhundert Gänse nach Martinsrieth brachten und dabei ein Storchennest entdeckten. Diese Erzählung wurde 2010 in der Mansfelder Zeitung veröffentlicht.
Das Kohlland in Martinsrieth ist ein landwirtschaftlich genutztes Gebiet zwischen Helme und Mühlgraben.
Der Friedhof in Martinsrieth ist ein ruhiger Ort der Erinnerung und des Gedenkens. Er wird gepflegt und ist Teil des kulturellen Erbes des Ortes.
In Martinsrieth gab es früher zwei Bäckereien – eine in der Dorfstraße 2 und eine weitere in der Dorfstraße 63. Beide gehörten über viele Jahre zum alltäglichen Dorfbild und versorgten die Einwohner mit frischem Brot und Backwaren aus eigener Herstellung. Anfang der 1960er Jahre wurde schließlich die letzte ortsansässige Bäckerei geschlossen, womit ein Stück traditioneller Dorfkultur zu Ende ging. Heute erinnern nur noch die ehemaligen Gebäude an diese Zeit, in der das Backhandwerk ein fester Bestandteil des dörflichen Lebens war.
1845 - Leberecht Oehley
1865, 1874, 1886 - Friedrich Hilpert
1920 - Kämmerer
In der Dorfstraße 44 befand sich einst die Schmiede von Martinsrieth.
Zuletzt in den 30er Jahren war dort der Schmiedemeister Paul Siebenhühner tätig, der das Handwerk mit Geschick und Fleiß ausübte. Die Schmiede war ein wichtiger Anlaufpunkt im Ort – ob für landwirtschaftliche Geräte, Hufeisen oder kleinere Reparaturen. Heute erinnert nur noch das Wohnhaus an diese traditionsreiche Stätte des Handwerks.
Quelle: Marco Korpal
In der Dorfstraße 3 befand sich früher der Gasthof „Zum Braunen Hirsch“, ein aus dem 16. Jhd. stammendes Gasthaus an der alten Heerstraße, die einst als wichtige Handelsroute diente. Reisende und Händler machten hier Halt, um zu rasten und zu übernachten – der Gasthof erfüllte damit eine ähnliche Funktion wie eine Raststätte an den heutigen Verkehrswegen.
Im Jahr 1833 wurde das Gasthaus "Brauner Hirsch" wurde verkauft und vorest nicht mehr als als Gasthaus benutzt. Ende des 19. Jhd. wurde der Gasthof vom Gastwirt Gottlob Hilpert wieder geführt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude für etwa zwei Jahre als provisorische Schule. Aufgrund des starken Zuzugs von Flüchtlingen reichte das eigentliche Schulgebäude nicht mehr aus, sodass im ehemaligen Gasthof zwei Unterrichtsräume eingerichtet wurden. Seitdem ist das Gebäude in privater Nutzung.
An der Heerstraße stand bis zum Jahre 1839 das Gasthaus "Weißes Ross", 1856 erbaute man auf diesem Hof die Pfarre für 2426 Taler.
Post
Bereits ab den 01.11.1968 war die Eröffnung der Post unter der Anschrift Dorfstraße 29 (Rat der Gemeinde).
Von 1987 bis 1992 befand sich die Post gemeinsam mit dem Kindergarten in einem großzügigen Neubau in der Dorfstraße 29. Mit der Schließung im Jahr 1992 endete die Ära der ortseigenen Poststelle.
Bäume
Das Ortsbild von Martinsrieth wird von markanten, alten Bäumen geprägt. Besonders hervorzuheben sind die Linden an den Ortseingängen und im Ortszentrum, die seit Generationen als Wahrzeichen des Dorfes gelten.
Am Friedhofseingang erinnern die beiden 1871 gepflanzten „Siegeseichen“ an historische Ereignisse.
Und nördlich der Helmebrücke stehen die eindrucksvollen Pappeln, deren mächtige Stämme im Laufe der Zeit das eiserne Brückengeländer umwachsen haben – stille Zeugen der Beständigkeit und Kraft der Natur im Wandel der Jahrzehnte.
Konsum
Der ehemalige Konsum war über viele Jahre das zentrale Lebensmittelgeschäft in Martinsrieth. Zunächst befand sich er sich ab dem 01.05.1952 im Nebenraum der Gaststube in der Gemeindeschänke, bevor er ab den 01.05.1975 in das Schulgebäudes umzog. Anfang der 1990er Jahre wurde der Konsum schließlich geschlossen – mit ihm verschwand ein wichtiger sozialer Treffpunkt im Dorf, an dem die Bewohner nicht nur ihre täglichen Einkäufe erledigten, sondern auch Neuigkeiten austauschten.
Nach der Wende siedelte sich auf dem Gelände der ehemaligen LPG die Firma Auto-Henne an. Das Unternehmen hat sich auf die Instandsetzung und den Vertrieb von Nutzfahrzeugen, insbesondere des UNIMOG, spezialisiert.
Im Jahr 1996 konnte auf dem Gelände des ehemaligen Sportplatzes, der sogenannten "Großen Weide", ein moderner Firmensitz mit Werkstatt, Büros, Sozialräumen und gepflegten Außenanlagen eingeweiht werden.
Im Jahr 1997 übernahm die Entsorgungsfirma Kesselhut das Gelände und die Gebäude der ehemaligen LPG, die nach dem Umzug der Firma Henne leer standen. Mit der Ansiedlung eines weiteren mittelständischen Betriebs wurde Martinsrieth auch wirtschaftlich gestärkt und erhielt neue Impulse für Beschäftigung und Entwicklung.
Urkunden der Halberstädter Bischöfe von 1120 und 1179 nennen bei der Beschreibung des Grenzraumes die Helme, die Leine und den Graben bei Wallhausen. Nach diesen Zeugnissen von 781 —1179 zieht sich die Nordostgrenze des Erzstiftes Mainz von der Helme unterhalb Wallhausen den mächtigen, künstlich aufgeschütteten Graben entlang, der bezeichnend den Namen Sachsgraben (als Grenze der Sachsen gegen die Thüringer) führt(Quelle: "Der Helmegau von K. Meyer und Dr. R. Rackwitz, 1888")
Der Sachgraben mündet nördlich von Martinsrieth in die Helme.
Die Mündung des Sachsgrabens bezeichnet einen Dreigauenpunkt:
Helmegau (Wallhausen)
Friesenfeldgau (Sangerhausen)
Land südlich der Großen Helme (Nabelgau)