Schulzen, Gemeindevorsteher und Bürgermeister
Über viele Jahrhunderte wurde Martinsrieth von einem Schulzen geleitet. Das Amt war ursprünglich eng mit dem Martinsriether Erb- und Lehnschulzengut verbunden.
Für 1847 ist die damalige Ortsbehörde außergewöhnlich genau überliefert. Johann Karl Gebhardt wird als Erb-, Lehn- und Gerichtsschulze sowie Schiedsmann genannt. Daneben gehörte Johann Christian Enke als Gemeindevorsteher zur Ortsbehörde.
Mit den Verwaltungsreformen des 19. Jahrhunderts verschwanden die alten Bezeichnungen allmählich. Später erscheinen in den Unterlagen Gemeindevorsteher und schließlich Bürgermeister.
Bisher bekannte Gemeindeoberhäupter
1847 Johann Karl Gebhardt – Erb-, Lehn- und Gerichtsschulze, Johann Christian Enke – Gemeindevorsteher
1854 Gebhardt – Bürgermeister
1864 Hilpert – Bürgermeister
1872 Karl Keßler – Gemeindevorsteher
Anfang der 1930er Jahre Paul Benkenstein
Ende der 1930er Jahre Edmund Probst
1945 Wilmar Krieger
1945 Paul Benkenstein
1946–1947 Fritz Henning
1948–1952 Guido Boogk
1952–1981 Alfons Benisch
1982–1990 Birgit Boogk
1990–1999 Detlef Grottke
2000–2003 Werner Deutsch
2003–2009 Eberhard Krieger
Mit der Eingemeindung nach Wallhausen zum 1. Juli 2009 endete das Amt eines eigenen Martinsriether Bürgermeisters.
Bürgermeister der Gemeinde Wallhausen seit der Eingemeindung
Seit 2009 wird Martinsrieth kommunal durch die Gemeinde Wallhausen vertreten.
2009–2015 Klaus Hinsching (Bürgermeister von Wallhausen bereits seit 1994)
2015–2022 Udo Härtig
seit 2022 Dieter Gremmer
Herrschaft, Verwaltung und Gemeindeleitung
Die Geschichte Martinsrieths ist nicht nur von Ereignissen im Dorf selbst geprägt, sondern auch von wechselnden Herrschafts-, Staats- und Verwaltungszugehörigkeiten. Vom mittelalterlichen Friesenfeld über kursächsische und preußische Verwaltung bis hin zur DDR, zur Wiedervereinigung und schließlich zur Eingemeindung nach Wallhausen änderten sich die übergeordneten Strukturen mehrfach.
Herrschafts- und Verwaltungszugehörigkeit
bis 1806 - Heiliges Römisches Reich
Mittelalter und Frühe Neuzeit
Martinsrieth lag im historischen Friesenfeld. Die Zeittafel des Helme-Kuriers bezeichnet den Ort als Bestandteil des alten stolbergischen Amtes Röblingen. Für 1467 wird ausdrücklich vermerkt, dass Martinsrieth „unter Stolbergscher Herrschaft“ stand.
1485 - 1525 - Albertinisches Sachsen und Amt Röblingen
Bei der Leipziger Teilung von 1485 gelangte das Gebiet des späteren Amtes Sangerhausen an die albertinische Linie der Wettiner.
ab 1525 - Amt Sangerhausen
Im Jahr 1525 wurde das Amt Röblingen mit dem Amt Sangerhausen vereinigt. Martinsrieth gehörte damit fortan zum Amt Sangerhausen.
Das Amt Sangerhausen lag im Thüringer Kreis des albertinischen Sachsen.
1547 - 1657 - Kurfürstentum Sachsen
Nach dem Schmalkaldischen Krieg erhielt die albertinische Linie der Wettiner im Jahr 1547 die Kurwürde.
Martinsrieth gehörte damit über das Amt Sangerhausen zum Kurfürstentum Sachsen.
1657 - 1746 - Herzogtum Sachsen-Weißenfels
Von 1657 bis 1746 gehörte das Amt Sangerhausen zum Herzogtum Sachsen-Weißenfels.
Damit gehörte auch Martinsrieth in diesem Zeitraum zu Sachsen-Weißenfels.
1746 - 1806 - Kurfürstentum Sachsen
Nach dem Erlöschen der Linie Sachsen-Weißenfels fiel das Amt Sangerhausen im Jahr 1746 wieder unmittelbar an das Kurfürstentum Sachsen zurück.
Martinsrieth verblieb weiterhin im Amt Sangerhausen.
1806 - 1815 - Napoleonische Ära & Königreich Sachsen
Im Jahr 1806 wurde das Kurfürstentum Sachsen durch Napoleon zum Königreich Sachsen erhoben. Landesherr: Friedrich August, König von Sachsen.
Das Königreich Sachsen gehörte dem Rheinbund an. Martinsrieth verblieb weiterhin beim Amt Sangerhausen.
Im Jahr 1808 wurde das Amt Sangerhausen um die ehemaligen mansfeldischen Ämter Artern, Bornstedt und Voigtstedt erweitert.
1815 - 1945 - Preußische Zeit
1815
Nach dem Wiener Kongress musste das Königreich Sachsen große Teile seines Territoriums an Preußen abtreten. Auch das Amt Sangerhausen und damit Martinsrieth kamen im Jahr 1815 an das Königreich Preußen. In der Martinsriether Zeittafel wird hierzu vermerkt, dass 1815 die Orte der heutigen Umgebung an Preußen kamen. Landsherr: Friedrich Wilhelm III.
1816 - 1944
Am 1. Oktober 1816 wurde der Kreis Sangerhausen eingerichtet.
Martinsrieth gehörte nun verwaltungsmäßig zu:
Königreich Preußen
Provinz Sachsen
Regierungsbezirk Merseburg
Kreis Sangerhausen
Gemeinde Martinsrieth
Die Königliche Regierung zu Merseburg war die übergeordnete staatliche Verwaltungsbehörde des Kreises Sangerhausen. Sie nahm unter anderem Aufgaben der inneren Verwaltung, Polizei- und Finanzverwaltung wahr.
1874 – Amtsbezirk Oberröblingen
Im Jahr 1874 wurde der Amtsbezirk Oberröblingen gebildet. Zu ihm gehörten Edersleben, Riethnordhausen und Martinsrieth.
Bis dahin bestand in Martinsrieth das traditionelle Schulzenamt.
1944 - 1945 - Während des Zweiten Weltkrieges
Im Rahmen der Aufgliederung der preußischen Provinz Sachsen wurde der Regierungsbezirk Merseburg zum 1. Juli 1944 zur neuen Provinz Halle-Merseburg.
Martinsrieth gehörte damit verwaltungsmäßig zu:
Freistaat Preußen
Provinz Halle-Merseburg
Landkreis Sangerhausen
Gemeinde Martinsrieth
Parallel zur staatlichen Verwaltung bestanden die Parteigaue der NSDAP. Martinsrieth lag im Gau Halle-Merseburg. Dieser Gau war jedoch keine staatliche oder kommunale Verwaltungseinheit, sondern eine Parteigliederung der NSDAP.
1945 - 1990 - SBZ und DDR
1945 - 1949
Am 12. April 1945 wurde Martinsrieth an amerikanische Truppen übergeben. Bürgermeister Wilmar Krieger und Edmund Keßler gingen ihnen als Parlamentäre mit weißer Fahne entgegen.
Nach dem Wechsel der Besatzungsmacht gehörte Martinsrieth zur Sowjetischen Besatzungszone.
Nach Kriegsende änderten sich die übergeordneten staatlichen Strukturen mehrfach. :
Sowjetische Besatzungszone Provinz Sachsen
ab 1946 Provinz Sachsen-Anhalt
ab 1947 Land Sachsen-Anhalt
Landkreis Sangerhausen
Gemeinde Martinsrieth
Im Jahr 1947 wurde der Staat Preußen durch das Kontrollratsgesetz Nr. 46 offiziell aufgelöst.
1949 - 1952
Mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober 1949 gehörte Martinsrieth zur DDR.
Die Zeittafel nennt ausdrücklich den 7. Oktober 1949 als Gründungstag der DDR.
Die Zugehörigkeit lautete:
Deutsche Demokratische Republik
Land Sachsen-Anhalt
Landkreis Sangerhausen
Gemeinde Martinsrieth
1952 - 1990 - DDR Bezirk Halle
Im Zuge der Verwaltungsreform der DDR im Jahr 1952 wurden die Länder als Verwaltungseinheiten abgeschafft und Bezirke eingerichtet.
Martinsrieth gehörte nun zu:
Deutsche Demokratische Republik
Bezirk Halle
Kreis Sangerhausen
Gemeinde Martinsrieth
Im Jahr 1964 wurde die Postleitzahl 4701 Martinsrieth eingeführt.
01.10.1977 - 30.06.1991
Mit Wirkung vom 1. Oktober 1977 wurde aus der bisherigen Interessengemeinschaft „Werterhaltung“ der Gemeindeverband „Helmetal-Wallhausen“ gebildet.
Zum Gemeindeverband gehörten:
Brücken
Hackpfüffel
Martinsrieth
Riethnordhausen
Wallhausen
Tilleda
Die Mitgliedsgemeinden blieben eigenständige Gemeinden.
1990 - Bundesrepublik Deutschland
1990 - 2007 Landkreis Sangerhausen
Mit der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurde das Land Sachsen-Anhalt wiedererrichtet.
Martinsrieth gehörte nun zu:
Bundesrepublik Deutschland
Land Sachsen-Anhalt
Landkreis Sangerhausen
Gemeinde Martinsrieth
Im Oktober 1990 wurde vor die bisherige DDR-Postleitzahl ein „O“ für Ostdeutschland gesetzt:
O-4701 Martinsrieth.
01.07.1991 - 29.03.1993
Am 1. Juli 1991 wurde der bisherige Gemeindeverband aufgelöst.
Wallhausen, Martinsrieth und Hackpfüffel bildeten anschließend eine Verwaltungsgemeinschaft.
30.03.1993 - 31.12.2003
Am 30. März 1993 wurde die Verwaltungsgemeinschaft „Helme“ gegründet.
Dazu gehörten:
Brücken
Edersleben
Hackpfüffel
Martinsrieth
Riethnordhausen
Wallhausen
Die Martinsriether Zeittafel nennt für die Gründung Wallhausen, Brücken, Hackpfüffel, Riethnordhausen und Martinsrieth.
Ab dem 1. Juli 1993 galt die neue fünfstellige Postleitzahl:
06528 Martinsrieth.
01.01.2004 - 30.06.2007 Verwaltungsgemeinschaft Goldene Aue
Zum 1. Januar 2004 entstand durch den Zusammenschluss der Verwaltungsgemeinschaft „Helme“ mit der Verwaltungsgemeinschaft „Kyffhäuser“ die neue Verwaltungsgemeinschaft Goldene Aue.
Martinsrieth blieb dabei weiterhin eine selbstständige Gemeinde.
Die Verwaltungszugehörigkeit lautete:
Bundesrepublik Deutschland
Land Sachsen-Anhalt
Landkreis Sangerhausen
Verwaltungsgemeinschaft Goldene Aue
Gemeinde Martinsrieth
01.07.2007 – 30.06.2009
Landkreis Mansfeld-Südharz
Mit der Kreisgebietsreform in Sachsen-Anhalt entstand zum 1. Juli 2007 aus den bisherigen Landkreisen Sangerhausen und Mansfelder Land der neue Landkreis Mansfeld-Südharz.
Martinsrieth gehörte damit ab dem 1. Juli 2007 zu:
Bundesrepublik Deutschland
Land Sachsen-Anhalt
Landkreis Mansfeld-Südharz
Verwaltungsgemeinschaft Goldene Aue
Gemeinde Martinsrieth
01.07.2009 - 31.12.2009 Eingemeindung nach Wallhausen
Am 1. Juli 2009 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Martinsrieth in die Gemeinde Wallhausen eingemeindet.
Seit diesem Zeitpunkt ist Martinsrieth Ortsteil der Gemeinde Wallhausen.
Damit endete die kommunale Selbstständigkeit Martinsrieths als eigene Gemeinde.
seit 01.01.2010
Verbandsgemeinde Goldene Aue
Zum 1. Januar 2010 wurde aus der bisherigen Verwaltungsgemeinschaft die Verbandsgemeinde Goldene Aue. Ihr Verwaltungsamt befindet sich in Kelbra.
Die Verbandsgemeinde besteht heute aus den Mitgliedsgemeinden Berga, Brücken-Hackpfüffel, Edersleben, Kelbra (Kyffhäuser) und Wallhausen. Martinsrieth gehört als Ortsteil zur Gemeinde Wallhausen.
Die heutige Zugehörigkeit lautet damit:
Bundesrepublik Deutschland
Land Sachsen-Anhalt
Landkreis Mansfeld-Südharz
Verbandsgemeinde Goldene Aue
Gemeinde Wallhausen
Ortsteil Martinsrieth
Einwohner
Einwohner
1890 - 286 Einwohner
1897 - 299 Einwohner
1910 - 301 Einwohner
1937 - 318 Einwohner
1946 - 350 Einwohner
1965 - 267 Einwohner
1976 - 240 Einwohner
1990 - 197 Einwohner
1994 - 198 Einwohner
1995 - 199 Einwohner
1996 - 205 Einwohner
1996 - 210 Einwohner
1997 - 215 Einwohner
1998 - 209 Einwohner
1999 - 215 Einwohner
2000 - 225 Einwohner
2001 - 219 Einwohner
2006 - 193 Einwohner
2007 - 185 Einwohner
2008 - 187 Einwohner
2025 - 164 Einwohner